Die Tübinger Pioniere des Cornern – Before it was cool

In Tübingen ist Cornern eine feste Größe

Neckarfront, Tübingen am Neckar © Henrik Dolle / Fotolia.com

Cornern gilt als Trend, den die Hipster-Subkultur gerade in Deutschland zu etablieren versucht. In der baden-württembergischen Studentenstadt Tübingen, wo es Jute-Beutel und Vollbärte gibt, wohin man auch schaut, ist es längst etabliert. Schon seit einigen Jahren sind die Treppen vor der Stiftskirche zum abendlichen Treffpunkt geworden.

Wer am Ende eines heißen Sommertages über den Tübinger Holzmarkt schlendert, erlebt einen faszinierenden Anblick: Die Treppe vor der Stiftskirche ist rappelvoll mit Menschen, und der neutrale Beobachter muss sich fragen: Gibt es da etwas umsonst? Ist das einer dieser Flashmobs, von denen neuerdings immer alle reden? Nichts ganz. Umsonst gibt es etwas: Frische Luft, gute Gesellschaft, eine gemütliche Atmosphäre, ein bisschen wie Biergarten. Von einem Flashmob kann keine Rede sein – abgesprochen hat sich jeder nur mit seinen Kumpels, mit denen er sich auf ein Bierchen treffen wollte.

Sitzplätze sind heiß begehrt

Die jüngste Stadt Deutschlands zeigt sich vor der Stiftskirche regelmäßig von ihrer besten Seite. Hier herrscht ein friedliches Miteinander, es werden neue Bekanntschaften gemacht und alte Freundschaften gepflegt. Im Sommer sind jeden Abend 50 bis 100 junge Menschen anzutreffen, die sich bei Bier, Wein oder Zigaretten über Gott und die Welt unterhalten. Musik kommt meist aus mitgebrachten Boxen oder von Straßenmusikern.Wenn viel los ist kann es mitunter schwer sein, einen Sitzplatz zu ergattern – selbst vor dem Brunnen wird nicht halt gemacht.

Wer in Tübingen feiern geht, dessen erster Anlaufpunkt ist der Holzmarkt. Hier ist immer etwas los, und hier sind auch die Getränke weitaus günstiger als in Bars – sie werden nämlich selbst mitgebracht. Viele fühlen sich an das Flair einer Mittelmeerstadt erinnert, wenn die Geräuschkulisse aus Gelächter, Stimmengewirr und Musik vom Holzmarkt aus die sommerlich warmen Gassen der ohnehin schon malerischen Altstadt erfüllt.

Die meisten Cornerer sind Studenten

Cheerful friends with with skateboard and ball outdoors © Nejron Photo / Fotolia.com

Die Avantgarde des Cornern – ohne es zu wissen

Das, was in Tübingen eine schon seit mehreren Jahren zu beobachtende Entwicklung ist und bereits zum festen Bestandteil der Stadtkultur geworden ist, erobert gerade ganz Deutschland: Cornern. Der Trend, der seine Ursprünge in der Hip-Hop- und Breakdance-Kultur der New Yorker Bronx verankert sieht, will die Straßen zur Party oder Chillout-Location machen. Bars werden überflüssig. Der einzige Nachteil ist die Wetterabhängigkeit – wenn es regnet, macht Cornern natürlich keinen Spaß.

In Tübingen ist das Cornern aus der Stadtkultur nicht mehr wegzudenken. Zwar würde eine Umfrage auf der Stiftskirchentreppe wohl ergeben, dass 9 von 10 der Anwesenden den Begriff „Cornern“ nicht erklären könnten. Doch auch wenn noch kaum einer weiß, was er da tut – nämlich dass er cornert – die jungen Tübinger dürfen sich stolz als Avantgarde der Bewegung bezeichnen.

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