Cornern in St. Pauli – ein auffallend unauffälliges Zusammenkommen

Jeder, der schon einmal im Hamburger Stadtteil St. Pauli gewesen ist, den dürfte nichts mehr überraschen. Schlägereien und Polizeisirenen, leicht bekleidete Damen, Alkohol und laute Musik sind hier an der Tagesordnung, besonders auf dem Kiez. Wer durch die vielen verschiedenen Ecken des Stadtviertels schlendert, findet aber auch etwas gesittetere Gegenden, die sich immer mehr zu einem kulturellen Treffpunkt der Hamburger Jugend entwickeln, die gemeinsam an den Ecken rumhängen – oder eben cornern, wie sie es selbst nennen.

cornern hamburg

Bildquelle: Fotolia: #86861840 | Urheber: YakobchukOlena – Attractive young men are traveling across city

Cornern statt Clubben

St. Pauli bietet mit seinen vielen Kneipen und Discotheken eigentlich jede Menge Gelegenheit zum Feiern und Spaß haben. Derzeit zeigt sich aber ein anderes Bild: Clubbesitzer vermissen zahlende Kunden und in den Kneipen werden die Lokalrunden immer weniger. Stattdessen trifft man sich nun auf offener Straße. Die Tanzfläche ist der Bürgersteig, die Bar am nächsten Kiosk zu finden.

„Schauen Sie sich doch einmal um. Wir haben alles, was es auch in der Disco gibt – bloß eben günstiger. Außerdem ist es Sommer, da ist man doch lieber an der frischen Luft. Einfach hinsetzen, neue Leute treffen und Spaß haben“, gibt ein Verfechter des neuen urbanen Trends als Marschroute aus.

Und in der Tat könnte man sich daran gewöhnen. Keine überteuerten Getränke mehr bezahlen, Dresscodes gibt es ohnehin nicht und mit den Türstehern bekommt hier auch niemand Probleme. Cornern scheint das Clubbing immer mehr abzulösen.

Von Organisation keine Spur

Merkwürdig erscheint es dennoch, dass alles so reibungslos funktioniert. Immerhin gibt es keine Organisatoren im eigentlichen Sinne. „Meist fängt es mit wenigen Leuten an. Die bringen dann Freunde mit und die wiederum ihre Freunde. Oder man verabredet sich über das Internet“, erfährt man von einem Teilnehmer.

Rechtlich ist dem Cornern übrigens kein Hindernis gesetzt. „Manchmal schaut ein Beamter vom Ordnungsamt vorbei oder die Polizei. Da hier aber alles friedlich verläuft, gibt es absolut keine Probleme“, sagt ein junges Mädchen, das in bester Hipster-Manier gekleidet ist und sich nach dem kurzen Statement wieder auf ihr rosa Fahrrad schwingt.

Cornern karikiert alles, was uns das Eventmanagement lehren möchte und funktioniert dennoch. Mittlerweile hat Cornern die Hamburger Grenzen verlassen und fesselt junge Menschen in ganz Deutschland, die nun nicht mehr extra nach St. Pauli kommen müssen, um mit anderen zu feiern und Spaß zu haben, hier aber dennoch an jeder Ecke willkommen sind.

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