Cornern in Leipzig – munteres Zusammenkommen in der Karl-Liebknecht-Straße

Gemütlich wollten die Touristen noch an einem sternüberfüllten Samstagabend durch die Leipziger City spazieren, als ihnen urplötzlich trommelnde Musik und ein Chor aus Menschen „Angel“ von Robbie Williams in die Ohren schmetterte. Die nicht ganz so ernstgemeinte musikalische Aktion stammte aber nicht, wie man hätte vermuten können, aus einer naheliegenden Diskothek, in der die besten Songs der neunziger Jahre zum Besten gegeben wurden, sondern von einer Gruppe von Menschen, die sich am Südplatz der Karl-Liebknecht-Straße versammelten und sich zum gemeinsamen Cornern trafen.

Friede, Freude, Eierkuchen inmitten von Leipzig

So ganz mochte man seinen Augen nicht trauen. Circa 100 junge Leute waren mehr oder weniger spontan zusammengekommen, um der neuen fröhlich-urbanen Jugendkultur zu frönen. Sofort fielen einige junge Männer mit Club-Mate-Getränken im Anschlag auf, die jede Menge Wirbel machten, allem Anschein nach, um ein nicht weit entferntes junges Mädel zu beeindrucken.

„Das ist hier alles ganz locker, wir haben und alle vorhin erst kennengelernt. Ich selbst bin nur zufällig hier vorbeigekommen und wollte eigentlich direkt nach Hause. Nachdem ich aber von fast allen angesprochen wurde, bin ich einfach geblieben. Unglaublich, wie schnell man hier neue Leute kennenlernt“, berichtet einer der jungen Männer, auf dessen T-Shirt etwas provokant die Aufschrift „Alles muss, nichts kann“ prangert.

Einen friedlichen und geselligen Eindruck macht die Zusammenkunft aber allemal – und das trotz der Menschenmenge und den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten. Einige spielten Flunkyball, andere saßen einfach zusammen und witzelten über ihre letzten Wochenenderlebnisse.

Weitere Corner-Treffen sind geplant

Die Stadt hat gegen die Treffen übrigens nichts einzuwenden, solange alles in einem geordneten Rahmen bleibt. Vor allem auf die Anwohner müsse Rücksicht genommen werden, denen lautstarke junge Leute nicht immer recht sind.

cornern Leipzig

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„Natürlich hört man die Jungspunde schon ab und an. Aber solange dies nur am Wochenende der Fall ist, da kann ich damit sehr gut leben. Bisher gab es auch keinerlei Schwierigkeiten. Müll und Flaschen wurden immer feinsäuberlich weggeräumt. Dann passt das auch“, so die Stimme eines 54-jährigen Anwohners, der sich auch darüber freut, dass die Jugend nicht nur vor dem Fernseher sitzt, sondern sich auch einmal an der frischen Luft aufhält.

In den nächsten Wochen soll es mit den Cornern weitergehen, berichtet eines der jungen Damen, die von dem Trend erstmalig aus Hamburg hörte und überlegte, wo es auch in ihrer Stadt einen interessanten Hotspot für das Cornern geben könnte. „Ich hoffe, dass in den kommenden Wochen noch mehr Leute zusammenkommen. Ich habe hier viele nette Leute von meiner Uni kennengelernt, mit denen ich ansonsten wohl kaum ins Gespräch gekommen wäre. Ich finde diesen Ort mitsamt seiner verschiedenartigen Architektur ideal, um solch ein kulturelles Treffen zu veranstalten.“

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